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Die Geschichte der j├╝dischen Gemeinde in Schwanfeld

 

Seit Jahrhunderten haben jüdische Familien im Ort gelebt und einen beachtlichen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung des Dorfes genommen.

Ihre erste geschichtliche Erwähnung fällt bereits in das Jahr 1298, in dem die Judenverfolgung einen schrecklichen Höhepunkt erreichte und besonders die Schweinfurter und auch die Schwanfelder Juden betraf. Durch die überkommenden Listen der Opfer dieser Ausschreitungen in den sog. Memorbüchern aus Nürnberg und Mainz ist uns überliefert, dass besonders auch die Schwanfelder Juden viel zu leiden hatten.

Diese frühe jüdische Ansiedlung in Schwanfeld ist sehr bemerkenswert, zumal erst seit dem 11. Jahrhundert Juden in größerer Zahl besonders in den damaligen Reichsstädten nachgewiesen werden konnten. Aber auch die Fürsten begünstigten ihre Ansiedlung, sie pochten geradezu auf ihr Recht; denn die hohen Abgaben für Duldung und Schutz bildeten eine ergiebige Quelle für die permanent in Finanznöten steckende fürstliche Hofhaltung, zumal man immer wieder sehr willkürliche Mittel und Wege fand, an das meist sehr beträchtliche jüdische Vermögen zu kommen.

Es kann vermutet werden, dass die ersten jüdischen Bewohner des Ortes Flüchtlinge aus Würzburg waren; denn der Ort Schwanfeld war einst Teil des Reichlehens Mainberg und im Besitz des Grafengeschlechtes Henneberg.

Entwicklung der jüdischen Gemeinde

Schwanfeld hatte in früheren Jahren eine stattliche Zahl jüdischer Einwohner. Bei der Volkszählung im Jahre 1832 waren es 194 Einwohner, im Jahre 1885 185. 1910 waren 114 Juden ansässig, im Jahre 1925 81, im Jahre 1933 58, im Jahre 1935 50. Zwischen 1936 und 1940 verließen 38 Juden das Dorf, von denen 28 auswanderten (25 in die USA, zwei nach England und einer nach Palästina) und zehn in andere deutsche Städte zogen (sechs nach Würzburg, drei nach Frankfurt, einer nach Augsburg). 1942 wurden acht der noch zehn in Schwanfeld lebenden Juden nach Würzburg gebracht. Sie wurden drei Tage später nach Izbica bei Lublin deportiert. Die letzten beiden Juden kamen im September 1942 nach Theresienstadt. Im Jahre 1956 kehrte ein Jude aus russischer Gefangenschaft nach Schwanfeld zurück.

Jüdische Einrichtungen

Öffentliche Gebäude der jüdischen Gemeinde haben die Zeit des Dritten Reiches relativ gut überstanden, auch wenn am 10.11.1938 die Einrichtung und Ritualien der Synagoge vollständig zerstört wurden.

Die Judenschule, im Jahre 1784 auf einem herrschaftlichen Ödland an der Wipfelder Straße errichtet, diente von 1938 bis 1946 als Gemeindekanzlei und Schulraum. Sie wurde dann durch die Jüdische Restitutionsnachfolger-Organisation JRSO an eine Privatfamilie verkauft. Zur gleichen Zeit wurde auch die Synagoge an einen Privatmann veräußert, der dieses Haus zu einem Kino umbaute.

 

Der Judenfriedhof 

 

Der hiesige Judenfriedhof stammt aus der Zeit vor der Würzburger Herrschaft, als die Gemeinde ihre eigenen Dorfherren hatte. Laut einer Kopie aus dem Jahre 1604, die dem Zins- und Gültbuch des Dorfes Schwanfeld beigefügt ist, gestattete der damalige Grundherr Konrad von Grumbach, zu Burggrumbach, Rieden-Pleichfeld, Rimpar und Schwanfeld, Amtmann zu Karlstadt, die Beisetzung der Juden "5 Meil Wegs breit und lang um Schwanfeld" anno 1579 verschrieben und zugelassen.

Von dem Kauf des am Untereisenheimer Weg auf Schwanfelder Gemarkung über dem untersten See im Diemensthal gelegenen Ödlands gibt es eine beurkundete Rechnung. Aus ihr geht hervor, dass der Untertane Löb, ein Jude aus Pleichfeld, dazu die Anregung gab - "mit gutem Mut und vorbedachtem Rat".

Der Kaufpreis betrug 30 Gulden. Es wurde weiterhin ein "Reb" zugelassen und die Abhaltung von Unterricht in Schwanfeld genehmigt. Zugestanden wurde auch ein Jüdisches Gericht, um nach jüdischer Ordnung Recht zu geben und zu nehmen; dafür sollten sie eine jährliche Abgabe von 12 Gulden leisten, die erstmals Kiliani 1580 fällig wäre. Als Beerdigungsgebühr wurde festgelegt bei Personen unter 12 Jahren ein halber Gulden, bei Personen über 12 Jahren 1 Gulden.

Auch die Erlaubnis für die Bestellung eines Totengräbers aus Schwanfeld oder Dipbach wurde gegen ein jährliches Schutzgeld von 3 Gulden gestattet, das an Kiliani fällig war.

Besonders erwähnt wurde die Bestimmung dieser Verbriefung, dass selbst beim Verkauf des Fleckens Schwanfeld das Recht, diese Stätte als Beerdigungsort zu benutzen, nicht berührt würde, ebenso sicher bleibe die Rabbinerstelle und die Abmachung über den Totengräber.

Diesen Friedhof benutzten bis 1940 folgende Gemeinden:

Bibergau, Dettelbach, Estenfeld, Gochsheim, Untereisenheim, Theilheim, Rimpar, Schwebheim und Schwanfeld, ferner die Zeilitzheimer Juden, die früher in Oettershausen saßen. Schwanfeld stellte bis zuletzt den Totengräber und den Totenfahrer.

 

Wie jeder andere Judenfriedhof in Deutschland wurde auch der hiesige im Jahre 1938 unter Naturschutz gestellt. Dadurch wurde in einer unduldsamen Zeit von besonnenen Kräften ein Kultur- und Landschaftsdenkmal einmaligen Wertes der Nachwelt erhalten. Nirgendwo wird die düsterernste Mahnung an den gleichmachenden Tod deutlicher spürbar als hier, wo man die Verstorbenen ungestört dem Walten der Natur überlässt. 2400 Gräber bedecken das 2 ha große Tal, das sich nach Norden öffnet und schon von der Theilheimer Höhe aus zu sehen ist.

Der Judenfriedhof befindet sich heute in sehr gutem Zustand, wird ständig gepflegt und steht unter der Obhut des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinde in Bayern.

 

Er wird sehr häufig von Gästen aus Amerika und Israel besichtigt, die bei ihrer Rundreise durch Deutschland und beim Aufsuchen ihrer alten Heimat immer wieder auch die Ruhestätten ihrer Ahnen ehrfurchtsvoll betreten.

In Erinnerung an den letzten in Schwanfeld geborenen jüdischen Mitbürger, der am 1. Febr. 1984 im hochbetagten Alter von 82 Jahren verstarb, erhielt der zum Judenfriedhof führende Weg den Namen ,,Ludwig-Gutmann-Weg".

Die Gemeinde Schwanfeld ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, um ihrer geschichtlichen Verantwortung Rechnung zu tragen und der Aussöhnung zu dienen.

 

 

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