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Steinzeitjunge kehrt zurück


07.09.2007

Steinzeitjunge kehrt in das älteste Dorf zurück!

Wie Bürgermeister Hans-Georg Eichelbrönner bei der Zusammenkunft im vollbesetzten Bürgerzentrum feststellte, steht der diesjährige Jahrmarkt ganz im Zeichen der prähistorischen Vergangenheit Schwanfelds. Viele Aktivitäten und Mitmachprogramme, vor allem für Kinder und Jugendliche, helfen mit, sich in die alte Zeit zurück zu versetzen.

Vor allem der Vortrag von Prof. Dr. Jens Lüning von der Universität Frankfurt soll einen Einblick in die ersten bäuerlichen Ansiedlungen in Schwanfeld verschaffen. Nach Aussagen von Prof. Lüning gehört Schwanfeld zur frühesten Welle bäuerlicher Siedlungen in Deutschland und auch in Unterfranken um 5500 v. Chr. Viele bei den langjährigen Ausgrabungen entdeckten Funde und die daran gemessenen Radiokarbondatierungen (C14) sprechen dafür, dass man nach heutigem Forschungsstand Schwanfeld sogar als das "älteste Dorf" Deutschlands bezeichnen kann. Eine ganze Reihe von Beobachtungen und Funden sprechen dafür, dass sich hier mehrere Familien unterschiedlicher Clans niedergelassen hatten. Ein Clan hatte, wie ein selten verwendeter Feuerstein zeigt (roter Radiolarit), enge verwandtschaftliche und sonstige Verbindungen mit dem Ursprungsland der Bandkeramik in Ungarn, wo dieser Feuerstein am Plattensee ansteht.

In Schwanfeld ist man erstmals beim Erdaushub und Ausbaggern für die Verbandsschule im Jahre 1970 auf die Reste der ältestbandkeramischen Siedlung gestoßen. Hans Koppelt wurde auf die Funde aufmerksam. Der damalige Bürgermeister Dr. Armin Römmelt hat die Nachforschungen und Ausgrabungen eifrig unterstützt. 1978 fand eine bodenkundliche Untersuchung des Geländes statt. Wie Prof. Lüning darlegte, seien in den zurückliegenden 7000 Jahren 1,50 m Boden durch Erosion abgetragen worden. Auf einer Fläche von 7500 m² wurde in mehreren Abschnitten der Mutterboden (Pflughorizont) weiter abgetragen, bis man auf die Grundrisse der Häuser stieß. Es waren 4 Familien auf ihren Höfen ansässig. Jede Generation baute sich nach ca. 30 Jahren ein neues Holzhaus. Beim Innenausbau wurde viel Lehm verwendet und die Dächer waren mit Stroh eingedeckt. Man ernährte sich von Ackerbau und Viehzucht, die Jagd spielte nur eine untergeordnete Rolle. Die Ansiedlung überdauerte 150 Jahre, dann sind die Clans bzw. deren Nachfolger, wie Oberflächenfunde beweisen, auf der gegenüber liegenden Anhöhe an der Wipfelder Straße sesshaft geworden. Im Jahre 5050 v. Chr., in spätestbandkeramischer Zeit, wurde in Schwanfeld eine neue Siedlung gegründet. Vielleicht kehrten die Familien von der Wipfelder Höhe an ihren alten Standort in Schwanfeld zurück.

Prähistorische Siedlungen vor 7000 Jahren wurden meist auf höheren Geländepositionen gebaut. Spätere Ansiedlungen, wie die Fränkischen Neugründungen nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches, lagen meist in den Tälern an den Bächen und Flüssen, genauso wie in Schwanfeld das heutige Altdorf. Wie Prof. Lüning abschließend ausführte, gibt es aus der Zeit der jungsteinzeitlichen Bauern keine schriftlichen Aufzeichnungen, es gibt nur archäologische Überreste, die man jedoch mit den heutigen modernen Methoden und Geräten sehr genau zuordnen kann. Bei einer geomagnetischen Untersuchung wurde festgestellt, dass in Schwanfeld weitere drei Häuser aus der bandkeramischen Zeit noch unerforscht unter einem Acker südlich des Sportplatzes der Schule liegen.

 

 

Das 7500 Jahre alte Skelett des 6-jährigen Jungen, das 1985 bei Ausgrabungen in Schwanfeld gefunden wurde, übergab Prof. Lüning nach Abschluss der daran nötigen Untersuchungen an die Gemeinde Schwanfeld. Das Skelett wird in einer Vitrine für alle Besucher sichtbar im Prähistorischen Ausstellungsraum im Rathaus einen würdigen Platz finden. Bei der Übergabe mit dabei von links 2. Bgm.Richard Köth, 1. Bgm. Hans-Georg Eichelbrönner, Prof. Dr. Jens Lüning und Ehrenbürger Abt Dr. Siegfried Hertlein. (Bericht und Bild von Otto Friedrich)



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